Meinungen

Was bedeutet (pro) ANA für Dich?

Diese Frage habe ich in den letzten Jahren in verschiedenen Foren gestellt und sehr unterschiedliche Antworten bekommen:

"Pro-ana bedeutet, eine Essstörung als Übergangslösung in sein Leben zu nehmen, um ihm einen Sinn zu geben, bis man weiß, was wirklich fehlt."

"Pro-Ana bedeutet für mich, der Essstörung etwas positives abzugewinnen, sie zu akzeptieren und mit ihr zu leben, denn sie ist ein Teil von mir."

"Man sieht Ana nicht als Krankheit, sondern als Lifestyle und hat keinerlei Motivation, was dagegen zu machen; man leidet nicht darunter, man nimmt's bewusst Kauf."

"Pro Ana bedeutet hübsch sein und toll sein und perfekt sein und begehrenswert sein und beliebt sein und gemocht werden und gut sein und sportlich sein und unangreifbar sein und eben anders sein..."

"purity.clarity.control."

"für mich heißt pro ana auch pro magersucht.... zu wissen, das man magersüchtig ist, vielleicht sogar stolz drauf ist, und eben noch nicht loslassen will"

"Unter "Pro Ana" verstehe ich lediglich eine Einstellung, die sehr schlanke Menschen als ästhetisch empfinden."

"Pro Ana ist eine Gratwanderung... Ein gefährliches Spiel mit dem Leben... Man will eigentlich nicht sterben (?) und arbeitet trotzdem unbewußt (?) darauf hin. Aber irgendwie wartet man doch noch die ganze Zeit darauf, daß sich was ändert, alles besser wird oder einen jemand rettet."

"Für mich ist pro-ana....vor allem das UMGEHEN mit der Essstörung. Dass man sich davon nicht hinunterziehen lässt und sie als positiv erkennt; halt daraus seinen Nutzen zieht, zum Beispiel die Aufmerksamkeit der Mitmenschen, der Familie, etc. Das Ausnutzen der Essstörung, einen tollen Körper zu haben - jedoch auch zu lernen, wo die eigenen Grenzen sind - durch Austesten."

"pro ana ist ein begriff den ich mittlerweile so lächerlich finde.............was soll das eigentlich sein? Pro magersucht???.....keiner will die krankheit haben, jeder will nicht so weit abrutschen das er in einer klinik landet.........also ist es eher ein begriff der sich gebildet hat, weil man nicht wusste wie man es sonst nennen sollte.....also das denke ich davon. ich will dünn sein, nicht magersüchtig. ich will schließlich nicht krank sein"

ANA = Magersucht?

Darauf antwortete mir eine junge Frau:

Magersucht
ist eine schleichende Erkrankung, mit physischer wie auch psychischer Auswirkung, welche stark die Lebenskraft durch Gewichtsverlust, u.a. durch Mangelernährung, Auszehrung, psychisch bedingte Appetitlosigkeit einschränkt, welche aber von den Betroffenen nicht unbedingt erkannt wird, sondern verkannt und als "normal" abgetan wird, während

pro ANA
als Lifestyle und manchmal (!!) auch Trend anerkannt wird. Diese Krankheit wird von den meisten Betroffenen bemerkt/registriert, diese sind jedoch nicht dazu bereit/ in der Lage, diese Krankheit anzugehen und erklären es zum Lifestyle um sich der Bekämpfung und damit einer schwierigen und oft mit heftigen Rückfällen einhergehende Genesung zu entziehen.

Magersucht ist fuer mich eine Krankheit, eine Essstörung, die die verschiedensten Ursachen haben kann. Meintwegen (wie in einem Buch, dass ich gelesen habe) kann jemand nicht nein sagen (zu einer Person) und drückt das aus, indem sie/er nein zum Essen sagt. Da gibt es die verschiedensten Ursachen, die ich nicht alle weiss und wahrscheinlich kaum jemand alle kennt. Magersucht kommt nicht von jetzt auf gleich, sondern - wie man so sagt - man rutscht da so rein. Man kann nicht mehr aufhören. Das Bauchgefühl sagt einen: "Nein, du kannst/darfst nicht essen." Obwohl es vielleicht gar nicht die ursprüngliche Ursache war, das Dünnwerden. Es ist eine Sucht. Ich denke nicht, dass sie die Betroffenen ueber die Auswirkungen klar sind.
Das ist der grosse Unterschied zu pro-ana. Jemand der pro-ana ist, ist sich den Auswirkung und Folgen BEWUSST. Es ist das Ziel so dünn zu werden...koste es, was es wolle! Es ist keine "Ich bin da reingerutscht"-Sache, sondern das war eine ENTSCHEIDUNG. Wenn jemand das tatsächlich hinbekommt, was ich fuer nicht so sehr wahrscheinlich halte, da der Druck auf einem selber so gross ist, kann es natuerlich durchaus passieren, dass man tatsaechlich süchtig nach dem Hungern wird. Ich bin mir aber nicht so wirklich sicher, ob ich das dann auch als "klassische" Magersucht bezeichnen würde oder als "gewollte und erreichte" Magersucht.
Beides fängt im Kopf an, das ist klar, aber die Gedanken, die sich dort abspielen, sind meiner Meinung nach nicht die selben. Ich bin weiss Gott nicht magersüchtig, aber ich bin pro-ana. Ja, mein Ziel ist es so weit abzunehmen, nur dass ich es nicht schaffe, weil der Druck auf mir selbst von mir selbst, wie schon gesagt, viel zu gross ist. Ich denke nicht, dass ich es irgendwann "schaffen" koennte, auf "normalem/klassischen" Weg in die Magersucht zu rutschen, da ich mich schon viel zu sehr mit dem Thema beschäftigt habe und es Teil meines Lebens geworden ist, den ich aus ihm nicht mehr wegdenken kann.
Also, nein, für mich sind Magersucht und pro-ana nicht dasselbe.