Vorwort

Jetzt sitze ich da und weiß nicht, wie ich anfangen soll.

Am besten das wichtigste zuerst:
Diese Website dient nicht der Verherrlichung der Krankheit Magersucht.

Wenn Du hier etwas findest, bei dem Du der Meinung bist, es sollte nicht auf dieser Seite stehen, weil es nicht zum Verständnis beiträgt, sondern nur schadet - trau Dich, mir zu mailen.

Die alte Website begann mit einem Gedicht, in dem ein Mädchen namens Carina ihren sehnlichsten Wunsch beschrieb: Leicht sein wie eine Feder.
Besser als jeder andere Text, den ich je gelesen habe, vermittelte dieses Gedicht jedem - egal ob selbst betroffen oder nicht - ein Gefühl davon, was an einer Krankheit wie der Magersucht erstrebenswert scheint, was die Erwartungen und Hoffnungen der Mädchen sind, die sich dafür quälen.
Ich habe lange überlegt, es wieder an den Anfang zu stellen, aber statt dessen möchte ich einen comment zitieren, der in einer Diskussion über das Verbot von "pro ana" auf Spreeblick gepostet wurde (natürlich gehen die Links alle nicht mehr, da sie sich auf die alte Version der Website beziehen):

Hmmm... der zweite Versuch ... sollte der Post zweimal auftauchen ... sorry! Mir hat zum Thema die Seite "pure-ana – über die Ambivalenz der Anorexie" sehr gut gefallen, sofern man das so formulieren kann. Sie führt auf eine einfühlsame Weise in die Lebenswelt anorektischer Frauen ein. Die Autorin schreibt in der Rubrik "pro-Ana? Was soll diese Seite?":
[...] Ich möchte vorausschicken, daß diese Seite nicht als "pro ana"-Seite geplant und gestaltet wurde; aber ich kann, so lange die Definition von "pro ana" nicht geklärt ist, auch nicht ausschließen, daß es, zumindest in Teilen, eine solche Seite ist. Deshalb und dennoch bitte ich darum, vor einem Urteil alles zu lesen, nicht nur das, was zuerst ins Auge zu stechen scheint.[...]

Auf der Seite wird deutlich auf die Symptome, die Ursachen und die Folgen der Anorexia nervosa eingegangen. Desweiteren gibt's einen Selbsttest und seriöse weiterführende Links zur Hilfe bei der Suche nach Therapeuten.

Das nur vorweg, weil ich hier keine Pro-Ana-Seiten verbreiten möchte. Ich will mir auch keine einzelnen Ansichten zueigen machen, die dort ggf. geäußert werden. Mir hat pure-ana einen Einblick in die Innenansichten bereitet. Vielleicht ist das auch für die/den eine/n oder andere/n DiskutantIn von Wert.

Am Anfang der Website steht u.a. ein Gedicht, dass das Körperbedürfnis der offensichtlich schwer anorektischen Carina vermittelt:

Ich möchte gehen können,
ohne dass meine Oberschenkel aneinanderreiben,
durch die Welt stacksen mit dünnen langen Beinen,
wie ein Storch.

Ich möchte gehen können,
ohne Geräusche zu machen,
auf dem Wasser laufen ohne einzutauchen,
über Sand und Schnee ohne Abdrücke zu hinterlassen,
durch die Welt schweben wie eine Feder.

Ich möchte herausstehende Schulterblätter haben,
die aussehen als würden mir Flügel wachsen
- endlich - nach langem Warten
oder wie die gebrochenen Flügel eines gefallenen Engels

Ich möchte Schlüsselbeine haben,
die hervorstehen
und mich wie ein zierliches Wesen aussehen lassen,
ein Wesen voll Glanz, rein zart und zerbrechlich

Ich möchte schwebend durchs Leben wandeln
jede Bewegung so elegant,
jeder Schritt so anmutig,
jede Geste so zart...

Ich möchte auf einer Wiese liegen
und den Wind um meinen Körper spüren,
wie der Adler ihn unter seinen Schwingen fühlt
den Wind um mich spüren,
den Wind der mich hinfortträgt


Macht traurig, das zu lesen...

Das fasst sehr gut zusammen, was ich von Anfang an wollte:
Einen Einblick in die Innenansichten von magersüchtigen Menschen geben.
Alle zu Wort kommen lassen und zusammenbringen - Betroffene wie Angehörige, Lehrer, Therapeuten, Interessierte, ...