Bewertung von online-Angeboten

Bewertung von Angeboten aus Sicht von jugendschutz.net

Die Frage, wann ein Pro-Ana-Angebot als jugendgefährdend und unzulässig eingestuft werden muss, ist bisher noch nicht geklärt.

Aus Sicht von jugendschutz.net ist ein Angebot jugendgefährdend, wenn die typischen Pro-Ana-Inhalte (Anas &Mias Brief, Thinspirations, Tipps & Tricks, Gesetze & Gebote, Glaubensbekenntnisse & Psalme, Motivationsverträge & Thinlines) vorhanden sind und durch das Angebot die Anorexie eindeutig und in drastischer Weise verherrlicht wird. Wenn also durch Anas Brief fatalistisch zur strikten Befolgung und Abgrenzung aufgerufen wird, Tipps & Tricks eine absolute Geheimhaltung fordern und weitere drastische Abnehmtricks gegeben werden (Versuche nur jeden zweiten Tag zu essen), Gebote und Gesetze lebensbedrohliches Verhalten fordern (Dünn sein ist wichtiger als gesund zu sein, Du bist niemals zu dünn) und das Glaubensbekenntnis absolute Gehorsamkeit fordert.
Jedes Angebot muss allerdings im konkreten Einzelfall bewertet werden. So kann ein Angebot auch dann jugendgefährdend sein, wenn etwa das Glaubensbekenntnis fehlt, dafür aber beispielsweise drastische Thinspirations vorhanden sind. Insgesamt muss die Seite immer geeignet sein, eine gravierende sozialethische Desorientierung bei Jugendlichen hervorzurufen. Dies ist der Fall, wenn die Gefahr besteht, dass Jugendliche in einer dem Erziehungsziel entgegen gesetzten Haltung unterstützt und bestätigt werden. Viele Pro-Ana-Angebote sind einzig und allein darauf angelegt, die Krankheit Magersucht als erstrebenswerten Lebensinhalt zu verherrlichen, Erkrankte oder potentiell Gefährdete in ihrem Vorhaben zu bestätigen, weiter Gewicht zu verlieren und den Austausch von detaillierten, gesundheitsgefährdenden Abnehmmethoden zu fördern.

Demgegenüber sind Angebote als entwicklungsbeeinträchtigend für Jugendliche einzustufen, wenn die Inhalte zwar nicht so drastisch und eindeutig sind, dass von einer Jugendgefährdung gesprochen werden kann, die Krankheit dennoch einseitig als erstrebenswert propagiert, verharmlost und verherrlicht wird. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn Nutzer sich in einem Forum über Anorexie austauschen, wobei die Tendenz eindeutig zu Gunsten der Beibehaltung des "Lebensstils" ausfällt, kritische Stimmen nicht zugelassen werden und keinerlei Ausweg im Sinne von professioneller Hilfe angeboten wird.

Daneben gibt es aber auch jugendschutzrechtlich unbedenkliche (neutrale) oder sogar empfehlenswerte Hilfsangebote. Bei letzteren handelt es sich um renommierte, fachlich betreute und niederschwellige Beratungsangebote, die der Krankheitsbewältigung dienen und die essgestörten Jugendlichen konkrete Beratung anbieten. In diesen Foren übernehmen Psychologen oder qualifizierte Berater eine regulierende Moderatorenfunktion. Zu nennen sei hier nur die Website www.magersucht-online.de von Hungrig-Online e.V.

Quelle:
www.jugendschutz.net

Kriterien für konstruktive Selbsthilfeseiten zu Essstörungen

aus ¹Nothing tastes as good as thin feels' - Considerations About Pro-Anorexia-Websites von Christiane Eichenberg, Elmar Brähler´

  1. In der Foren−Selbstbeschreibung werden Essstörungen (ES) als psychische Erkrankungen anerkannt:
    • ES werden als behandlungsbedürftige Erkrankungen beschrieben, die ärztliche wie psychologische Hilfe benötigen.
    • ES werden als Erkrankungen beschrieben, die heilbar sind.
    • ES werden als Erkrankungen beschrieben, die bedrohliche psychische wie physische Folgen haben bis hin zur Mortalität. Diese lebensbedrohlichen Folgen werden auf der WWW−Seite expliziert.
    • Entsprechend wird z. B. kein Bildmaterial überschlanker Modells (sog."¹Thinspirations“) veröffentlicht, das ein krankhaftes Schönheitsideal propagiert. Vielmehr wird als explizites Ziel des Austausches die Heilung der ES deklariert und nicht sog. ¹Contests“ zum weiteren Abnehmen veranstaltet (vgl. z. B. http://74337.rapidforum.com).


  2. Die Foren integrieren Hinweise auf therapeutische Angebote.

  3. Die Foren benennen - beispielsweise in einem Disclaimer - ausdrücklich, dass Hinweise auf den destruktiven Umgang mit der ES weder gewünscht noch geduldet werden und falls solche Beiträge gepostet werden, diese gelöscht und die entsprechenden Autoren keinen Zugang mehr zum Forum erhalten.

    Beispiele für entsprechende destruktive Umgangsformen bei Anorexie
    sind:

    • Ratschläge, wie man immer weiter abnehmen kann und die Gewichtsabnahme verheimlicht.
    • Ratschläge, wie man Angehörige am besten über das eigene Essverhalten täuschen kann.
    • Ratschläge, wie man Gewichtskontrollen beim behandelnden Arzt am besten manipulieren kann.

    Beispiele für entsprechende destruktive Umgangsformen bei Bulimie sind:

    • Ratschläge, welche Nahrungsmittel sich am leichtesten wieder
      erbrechen lassen.
    • Ratschläge, wie man sich so übergibt, dass es niemand bemerkt.


  4. Die Foren verlangen keine ¹aussagekräftigen“ Vorstellungsrunden und formulieren nicht bestimmte ¹Aufnahmekriterien“.
    Beispiele sind:
    • Angaben des Gewichts, des BDI, des Zielgewichts etc.
    • Abgabe einer Erklärung, in derman eindeutig die Pro-Ana-Gesinnung zusichert:
      ¹Es kommt nur rein, wer glaubhaft versichert, sich in den Bereich des Untergewichts hungern zu wollen.“
    • Zusicherung einer Anwesenheitspflicht mit einer bestimmten Anzahl eigener Postings pro Woche.