Shop

Die Website ANAMIA.org ist im Rahmen eines Projektes einer Studentin bzw. eines Studenten entstanden. Sie möchte auf schockierende Weise auf das Problem des heutigen Schlankheitsideals inkl. des Phänomens „pro-ana“ aufmerksam machen.

Zwar findet sich auf der Startseite ein sehr provokativ erscheinender Werbetext; dieser wird allerdings auf einer weiteren Unterseite erläutert. Beide Texte möchte ich hier vorstellen, um Missverständnissen vorzubeugen:

Anamia stellt Produkte her, die Dir helfen, Deine Anorexie oder Bulimie besser auszuleben und damit Erfolg zu haben. Anamia erleichtert viele Dinge in Deinem Alltag, was aber nicht heisst, dass Du Dich gehen können lassen wirst, vielmehr wird Dein Hungern und Deine Essensrückgabe umso präziser und so mehr Gewichtserfolge mit sich bringen. Willst Du in der heutigen Zeit schön und angesagt sein, dann brauchst Du Anamia.

Das Mia-Set wird Dir das erbrechen erleichtern, danach sorgt es für guten Atem, schützt Deine Zähne vor Karies und wird Dir niemals erlauben zu glauben, Du seist dünn genug.

Das Ana-Set wird Dir bei der Kalorienberechnung und - reduktion helfen. Falls der Hunger einmal ganz unerträglich sein sollte, wird es auch da Abhilfe schaffen.

Alles Liebe.

ANAMIA - for a glorious starvation


Unter „Shop“ findet sich folgender aufklärender Text:

Lieber Besucher

Du warst soeben im Begriff den ANAMIA online Shop zu besuchen. Möchtest du wirklich eines unserer Produkte bestellen, warst du nur neugierig oder hast du dich eventuell über die ANAMIA Produkte empört?
ANAMIA ist nämlich ein fiktiver Brand mit fiktiven Produkten, für eine leider sehr reale und beängstigend grosse Zielgruppe, welcher zu wenig Beachtung und Hilfe geboten wird. ANAMIA will den Betrachter wach rütteln und ihn auf die Missstände in unserer Gesellschaft, welche immer mehr junge Frauen in die Essstörung treiben, aufmerksam machen. ANAMIA hofft durch die Verherrlichung und Promotion der sehr schädlichen Krankheit auf Ablehnung zu stossen und so die Diskussion zum Thema Essstörungen zu eröffnen.
ANAMIA ist in unserer Gesellschaft leider eine durchaus denkbare Marke. So wie es schmucke Kokaindöschen für Drogensüchtige gibt, könnte es auch chice Brechstäbe für Bulimiekranke und Hungerdämpfer für Magersüchtige geben, schliesslich hat die Modeindustrie durch das Einführen der Jeansgrösse 0 – das entspricht den Körpermassen eines 12-jährigen Mädchens – in den magersüchtigen jungen Frauen auch bereits eine Konsumentengruppe erkannt. Wieso also nicht gleich Produkte verkaufen, welche die Mädchen unterstützen an diese „Traummasse“ zu gelangen? Findest du dies zu extrem? Wenn ja, dann solltest du dir auch Gedanken über die jetzigen Zustände in der Werbe- und Modeindustrie machen.
Magersucht ist in unserer Gesellschaft zu einer Art Fashionaccessoire oder Lifestyle geworden. Das Schönheitsideal liegt bei einem Gewicht, welches unterhalb der für den Körper gesundem Werte liegt. Auf gesundem Wege kriegt man diese Masse kaum hin. Es ist heute bereits ein Fakt, dass Models zu hungern haben, schliesslich ist das ihr Job, könnte man sagen, doch dass viele junge Mädchen und auch immer mehr Knaben von den Bildern in den Magazinen und auf den Plakaten beeinflusst werden, überlegen sich nur wenige. Diäten während des Erwachsenwerdens wirken oft als Einstiegsdroge zu einer Magersucht, da der Körper in den ersten Tagen oder Wochen eine Art Hungereuphorie erlebt.
Die Foren auf PRO-ANA Websites laufen auf Hochtouren. Mädchen geben sich da gegenseitig Tipps zum erfolgreicheren Hungern und veranstalten Fastenwettkämpfe. Man könnte sagen, die Pro-ANA User warten nur auf ANAMIA.
Leider ist es schwierig, eine ganze Wirtschaftsbranche oder das Denken eines Teenagers zu ändern, doch es wäre ein Anfang, wenn innerhalb der Gesellschaft das Gespräch eröffnet. Das Tabu muss gebrochen werden, jeder spricht über Übergewicht, jedes Kind weiss wie ungesund dies ist und die Regierung treibt Bewegungsprogramme an den Schulen voran. Doch Anorexie und Bulimie bleiben ein Tabuthema.
Die körperlichen Schäden, welche Magersucht und Bulimie mit sich bringen, sind tödlich, aber im Volksmund beinahe unbekannt. Es scheint, als störe man sich nur an den dicken Menschen, sie gelten als faul und unattraktiv, dünne jedoch sind akzeptiert und werden benieden, da unser Verständnis von Schönheit und Erfolg darauf getrimmt wurde.

Falls Du gerne eines dieser Produkte bestellt hättest, dann hoffe ich, dass Du mit einer Person darüber sprechen kannst.
Das Leben bietet zu viel, um es von der Anzeige auf der Waage bestimmen zu lassen.

Bei weiterem Interesse kannst Du gerne unter „Kontakt“ ein PDF meiner Dokumentation zum Projekt ANAMIA bestellen.